Psychopunch – Kamikaze Love Reducer – Tour 2006

02. März 2006 / Marsberg ( Westf. ) / JuZe / w: Rulers of the Planet

PsychopunchFür ihre Arbeitswütigkeit sind die vier Schweden von Psychopunch ja einigermaßen bekannt. Jedes Jahr ein neues Album, jedes Jahr eine Tour durch Europa. So auch in 2006. Mit ihrem am 20. Januar erschienenen Album Kamikaze Love Reducer spielen Psychopunch ebenfalls weit oben in der schwedischen Rockliga mit, hochgelobt von den Magazinen Rock Hard ( Platz 4 im Soundcheck ), Metal Heart ( Platz 3 ), Heavy ( 10 von 12 Punkten ) und dem Metal Hammer ( Platz neun im Soundcheck )! Jetzt galt es und gilt es immer noch, dieses schöne Stück Musik unters Volk zu bringen und somit spielte die Band vom 02.03. bis zum 31.03. eine Tour durch drei Staaten, überwiegend in Deutschland aber auch in der Schweiz und den Niederlanden. Auf der ersten Hälfte der Tour wurden sie von den ziemlich verschrobenen irischen Punk-Psycho-Rockern The Rulers of the Planet begleitet, die zweite Hälfte fand mit lokalen Supportbands statt. Die Tour startete am 02.03. in Flensburg im Roxy Club und kam bereits einen Tag später im ostwestfälischen Städtchen Marsberg an, was in unmittelbarer Nähe zu Paderborn liegt, also ein Katzensprung für mich. In Marsberg hatten Psychopunch bereits letztes Jahr gespielt und dort somit auch eine kleine Fanbasis aufgebaut.

Ich machte ich mit nem Kollegen auf den Weg nach Marsberg, noch den Restalkohol vom Vorabend im Blut, den ich fix mit ein ein paar Konterbier verscheuchte. In Marsberg angekommen, war ich dann schon leicht angehackt. Egal! Wir betraten die Location, das JuZe, und prompt sprang uns Axel, der Merchandising-Verantwortliche entgegen ( naja, er stand hinter seinem Tisch ). Erstmal die neuesten Merch-Artikel abgecheckt und sofort einen von den geilen Kapuzis zurücklegen lassen. Sehr schöne Teile, für wahr!!! Axel gab uns den Hinweis, dass die Band im Keller residierte. Also ab nach unten.
Dort fläzten sich Joey ( Git./ Back. Vox ) und Pepe ( Drums ) mit ein paar Leuten von den Rulers ( of the Planet, s.o. ) auf einer Couchgarnitur herum. Die Begrüssung viel gross aus, da man sich schon auf das Wiedersehen gefreut hatte, nachdem letztjährigen Trip von Lübeck nach Rostock und zurück ( siehe Psychopunch Tourbericht 2005 ). Nach einigen Zigaretten, ein paar Pils und jeder Menge „talking“ begaben wir uns erst mal wieder nach oben, um mal zu sehen, was sonst noch so im JuZe abging. Viele junge Menschen waren da, vielleicht im alter zwischen 15 und 18. Besser, diese Leute kommen auf ein PP-Konzert, als vor der Glotze zu hängen! Anscheinend hat die Marsberger Jugend das im Grossen und Ganzen begriffen! Haben Psychopunch auch manches Mal schon vor einem leeren Saal gestanden, in Marsberg wird dies nicht passieren. Als wir so herumschlenderten, prallte ich plötzlich auf den Tontechniker der Band, Peter. Ein verdammt netter Typ, aus dem schwäbischen Raum bei Stuttgart. Peter begleitete, genau wie Axel, die Band schon letztes Jahr auf ihrer Europatour. Der Mann hat es soundmäßig auch ziemlich drauf, das steht mal fest.
Nach einigen Bierchen mehr und etwas Wartezeit begannen gegen 20:30 dann die Rulers of the Planet. Ich hatte vorher des öfteren gefragt, als was man deren Mucke wohl so bezeichnen könnte, aber eine konkrete Antwort wollte und konnte mir wahrscheinlich auch keiner geben, nicht einmal sie selbst. Ich möchte es an dieser Stelle so formulieren: The Rulers of the Planet spielen psychedelischen Progressive-Rock´n-Punk-´n-Roll-´n-Blues´n-something-else-like-AC/DC-funk-a-delic-Stuff, man!!! Also so was hatte ich lange nicht mehr gehört, ehrlich! Aber beim allem, was sie taten, wirkten die Iren saucool und keinen Meter affig. Die Songs dieser Band sind ziemlich geil, auch, wenn ich nicht einen einzigen hier nennen kann. Egal, ich kann nur jedem wirklich ans Herz legen: Kauft euch die Platten der Rulers! Endlich kommt mal wieder die etwas härtere Gangart von den britischen Inseln.
Gegen 21:30 machten Psychopunch dann die Bühne startklar. Mittlerweile hatte sich der klitzekleine Raum komplett mit Menschen gefüllt und die meisten davon drängten sich direkt vor der kleinen Bühne. Das Set startete mit dem Opener der neuen Scheibe „Poison Alley Groove“, ein wahres Prachtstück des neuen Longplayers. Es folgten Granaten a´la „On the Stereo“, „Overrated“, „Make up your Mind“, „The Pleasure Kill“, „Comin´ right through” und noch eine Menge mehr. Die Menschen vor der Bühne pogten sich einiges aus dem Leibe und der Rest nickte durchgehend anerkennend mit dem Kopf und beklatschte jeden Sond gebührend. Das Set bestand, na ja ich würde mal sagen, zu 60% aus den neuen Songs, die alle samt gut rocken, inklusive der langsamen Stücke. Ich hatte nach den ersten Hördurchgängen ein wenig Schiss, dass das doch ziemlich langsame neue Album live für einige Stagnation sorgen könnte während der Konzerte, aber nix da!
Psychopunch beendeten ihr reguläres Set mit dem „neuen“ Gassenhauer „The Black River Song“, einem Stück, bei dem einem von selber die Bierflaschen zugeflogen kommen und man gar nicht anders kann, als trinken! Mitgröhlfaktor 1000. Danach verließen sie kurz die Bühne, kamen aber noch mal für zwei weitere Song zurück, von denen einer, natürlich „Straigth Jacket Hell“ sein musste. Der Titel von der Debutscheibe ist auch einfach unschlagbar. Nach guten eineinhalb Stunden Frontalrock war der Zauber dann erst mal wieder vorbei. Aber die Band hinterließ eine durchaus zufriedene Masse von jungen Hörern und Hörerinnen.

Nachdem sich der Laden schon etwas geleert hatte, ging es für uns dann erst mal oben am Biertresen weiter, denn dort kostete das Bier nur einen läppischen Euro. Ich kam noch gut mit dem Bassisten der Rulers ins Gespräch. Wir unterhielten uns viel über Belfast und den dortigen Religionskrieg. Der Mann hatte sehr interessante Insidergeschichten auf Lager, die ich leider allesamt wieder vergessen habe. Es wurden noch Gruppenfotos gemacht, von denen auf meiner Kamera leider keins gelandet ist. Dann packten wir die Sachen in den Tourbus, der dieses Mal in Form eines schönen, knallgelben Nightliners daherkam. Danach gings für die meisten noch in eine kleine Kneipe. Dort gab es auch billiges Bier für ganze 1,60 ¤. Nach guten 3 Stunden kamen wir also alle reichlich beseelt wieder aus dem Laden heraus. Es passierte nicht mehr wirklich viel an diesem Abend, ausser, dass alle nach und nach in ihre Betten fielen.
Der nächste Morgen begrüsste uns mit einem coolen Frühstück, das die JuZe-Belegschaft zusammengebastelt hatte. Kaffee, Brötchen, reichlich Aufschnitt. Die Unterhaltungen vielen aufgrund der letzten Nacht eher spärlich aus. Jeder schlürfte so vor sich hin. Irgendwann machte ich mich dann auch auf den Weg zum Marsberger Bahnhof, um meinen Zug nach Paderborn zu kriegen. Leider habe ich nicht gewusst, dass ich noch 50 Minuten Zwischenstopp in Warburg habe, einer kleinen Piss-Stadt irgendwo in den Bergen zwischen Marsberg und Paderborn. Das die Hölle mit dem Schädel, ehrlich! Naja, ich hab es doch überlebt und konnte somit auch den vorletzen Gig im Osnabrücker Vorort Georgsmarienhütte mit ansehen.

31.März 2006 / Osnabrück ( Georgsmarienhütte ) / Tor 3 / Warm-Up Tomahawkfestival / w: Ramones-Tribute und Motörhead-Tribute

Psychopunch Europa-Tour 2006, vorletzter Gig in Georgsmarienhütte. Es hieß, Psychopunch würden das Tomahawk-Festival spielen, was auch immer dieses sei. Festival klingt für mich nach vielen Bands, einer grösseren Location und vor allem vielen Besuchern. Aber man kann sich auch mal gepflegt täuschen. Wir kamen gegen 20:00 in Georgsmarienhütte an. Wir, das waren meine Freundin, einige Kollegen von der Turbojugend Hagen bei Osnabrück und meine Wenigkeit. Jarmo ( Gitarre, Vocals ) und Pepe konnte ich bereits durch ein Fenster sehen. Sie saßen in einer kleinen Kneipe, die dem Konzertsaal angegliedert war und hatten Abendessen. Wir standen erst mal noch ne Weile vor der Tür, um ein Bier aufzukriegen. Da kamen Mumbles und Joey aus der Tür, um uns zu begrüssen. Nach dem Bier und einer Zigarette gingen wir zusammen in den Konzertsaal des „Tor 3“ . Wirklich viel los war zu diesem Zeitpunkt noch nicht dort. Aber man soll ja die Hoffnungen nicht aufgeben. Erstmal gönnten wir uns ein Bier an der Theke. Danach begrüssten wir Axel hinter seinem Merch-Tresen und ich holte mir den reservierten Pulli ab, der allerdings schnell der viel geileren Trainingsjacke weichen musste. Wenig später trafen wir den Rest der Band im „Backstage-Bereich“, wenn man das so nennen kann. Eben in dieser kleinen Kneipe, in der im Übrigen auch noch andere Gäste ihr Feierabendbier zu sich nahmen. Irgendwie merkwürdig, dieses Warm-Up-Event für das Tomahawkfestival, von ich bis heute noch nicht weiß, welche Bands dort wirklich gespielt haben. Während der ganzen Zeit, die wir schon dort rumhingen, spielten die „Support-Bands“ des Abends. Die Namen der Bands haben ich leider Gottes vergessen, denn es gibt so viele Ramones und Motörhead-Covercombos, dass einem ganz Schwindelig werden kann. An diesem Abend spielten halt zwei davon. Nicht wirklich ambitioniert, aber immerhin gab es Vorgruppen. Sonst wäre es ein ziemlich kurzer Abend geworden, denke ich. Wir gaben uns also noch die volle Portion Instant-Ramones und Tiefkühl-Motörhead.
Bis 23:00 hatten sich dann immerhin so an die 40 , 50 Leute in dem doch gar nicht so kleinen Konzertsaal eingefunden. Aber es ist immer wieder das gleiche, wenn Psychopunch in Deutschland spielen. Mal haben sie, wie in Marsberg, einen nahezu ausverkauften Laden und ne riesen Party und mal spielen sie auf irgendwelchen dubiosen Veranstaltungen in riesigen Läden, bei denen nur eine Hand voll Leute kommen. Das war 2005 im Lübecker Rider´s Cafe schon genauso. Damals kamen ganze 6 zahlende Gäste, weil es anscheinend im Vorfeld aber auch nicht dem kleinsten Scheisshaufen Promotion in Lübeck gegeben hatte. Und ich muss sagen, das wird der Band nicht gerecht, nicht im geringsten!
Trotz dieser Misere rocken die Jungs Jahr für Jahr über unseren Kontinent, was meinen Respekt schon mal sicher hat. So auch an diesem Abend. Gegen 23:00 betraten sie die Bühne und begannen wie schon in Marsberg mit „Poison Alley Groove“. Wieder war das Set mit lauter Hochkarätern besetzt. Ein Typ stand auf einmal mit einem schwedischen Fussballnationaltrikot am Bühnenrand und ging ab. Fan durch und durch. Zwischendurch sprang er auf die Bühne und griff sich Mumbles Mikro, um lauthals mitzusingen. Ich hatte Pepe im Vorfeld gebeten, doch für mich eines seiner unverwechselbaren Drumsoli zu spielen. „Only, when you scream for me, Kai!“. OK, kein Ding, gescreamt und Drumsolo bekommen! Aber irgendwie merkte man, dass die Band schon 4 Wochen Tour in den Knochen hatte. Die Energie, die sie noch in Marsberg hatten, war nicht mehr komplett vorhanden. Dennoch brachten sie die Show plus Zugabe lässig über die Runden und hinterliessen auch in Georgsmarienhütte wieder zufriedene Gesichter, wenn auch nur 40 oder 50 an der Zahl.
Nach dem Konzert gab es noch ein paar schnelle Bier. Leider mussten wir die Szenerie schon um 02:00 verlassen, da der letzte Nachtbus zu unsere Schlafstätte nach Hagen abfuhr. Also keine rauschende Aftershow-Party wie in Marsberg mehr. Aber gelohnt hat es sich wie immer!!! Psychopunch sind und bleiben eine der sympathischsten Bands, die ich je getroffen hab!!! Nice Boys don´t play Rock´n Roll? Von wegen….they do!!!

Vielen Dank für das Erlebte, Gehörte und Gesehene wieder mal an Jarmo, Joey, Pepe, Mumbles, Axel, Peter, Rulers of the Planet und alle anderen, die ihre schmutzigen Finger im Spiel hatten!!! Hoffentlich bald wieder!!! Bilder der 2006er Tour folgen in kürze und nicht zu knapp.

Cheers
Kaiser 06

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